Mittwoch, 14. November 2012

Bordeaux 2010 reloaded


Gestern präsentierte die Union des Grands Crus de Bordeaux zusammen mit Mövenpick den Jahrgang 2010 im Zürcher Kongresshaus. Man bekam die Möglichkeit in 2 Stunden um die 100 verschiedene Weine zu probieren. Da hiess es selektiv vorzugehen.

Die Probe war hervorragend organisiert. Alle Weine kamen gut temperiert ins Glas und der Besucherandrang hielt sich in Grenzen. Äusserst positiv fand ich, dass der Anlass gratis war. Andere Anbieter verlangen da mittlerweile um die CHF 100.00 pro Platz. Etwas enttäuscht war ich, dass das einte oder andere Chateau ca. 20 Minuten vor dem offiziellen Ende ihren Platz räumten. Dadurch verpasste ich einige Weine wie z.B. la Conseillante.

Der Jahrgang präsentierte sich vor allem im Médoc als gross. Die an der Primeurdegu teilweise von mir bemängelte Säurelastigkeit hat sich doch bei vielen Weinen sehr gut eingebunden. Freude hatte ich, dass sich die Weine sehr Appellatonstypisch zeigen. Am besten gefallen haben mir die Weine aus St-Julien. Die Appleation zeigte sich sehr homogen. Weniger Freude hatte ich an St-Emilion, dessen Weine sich vielfach zu süss und alkoholisch präsentierten. Ausserdem konnte ich bei vielen ein leicht bis stark brennendes Finale feststellen.


Chateau Carbonnieux
Saubere Nase, floral, mittlerer Körper, rotbeerig, mineralisch mit reifen Tannin und mittlerem Körper. Guter Wurf.
91/100

Domaine de Chevalier
Parfümierte Nase, etwas toastig, Pflaumen und Brombeeren, sehr ausgewogen und dicht mit langem Abgang. Braucht Zeit.
93+/100

Chateau Haut-Bailly
Opulente fruchtige Nase, vollmundig und ausgewogen mit feinem Tannin, sehr Cabernet betont, rauchig und dicht. Toller Haut-Bailly.
95/100

Chateau les Carmes Haut-Brion
Offene Nase, viel Holz, eher leichter Körper, unausgewogen, leicht eingekochte Frucht, Brombeeren, bitterer und holzlastiger Abgang. In Anbetracht des tollen Terroirs enttäuschend.
88/100

Chateau Pape Clement
Laktisch und etwas toastige Nase, würzig, ausgewogen und elegant. Kirsche und Brombeeren, langer rauchiger und etwas parfümierter Abgang. Nicht so süss und holzbetont wie in anderer Jahren.
93/100

Chateau Smith-Haut-Lafitte
Frisch, einiges mehr Holz als der Pape, etwas nervige Säure, Zitrus, viel Brombeeren und Cassis, vollmundig mit hedonistischer Nase.
92/100

Chateau Beau-Séjour Bécot
Sehr modern mit viel Holz, sehr hoher Extrakt, konzentrier, alkoholischer und bitterer Abgang.
89/100

Chateau Canon
Etwas alkoholische Nase, Blumen, süss, mineralisch, schwarzfruchtig mit crème de Cassis, eher elegant mit langem Abgang.
91/100

Chateau Figeac
Saubere Nase mit tollem Auftakt im Gaumen, Kräuter, rein, in der Mitte sehr ausgewogen mit eleganter Frucht, leider besitzt der Wein einen extrem bitteren und grünen Abgang.
92?/100

Chateau Clos Fourtet
Eingekochte Früchte in der Nase, likörig, schwarzfruchtig mit Lakritze, mineralisch und vollmundig. Einer der wenigen St-Emilions die keinen bitteren Abgang besitzen.
92/100

Chateau la Tour Figeac
Sehr schöne und offene Nase, Himbeeren, Blumen, weiche Tannine, etwas exotisch mit mittlerem Körper, Keine Fruchtbombe aber ein toller Wein der wohl bald seine erste Trinkreife erreicht.
92/100

Chateau Beauregard
Süsse Frucht mit mittlerem Körper, gute Balance, rotbeerig, nicht sehr komplex aber mit hohem Spassfaktor.
91/100

Chateau Clinet
Samtig und weich, süsse Frucht, viel Holz, Kirschen, konzentriert mit viel reifem Tannin aber guter Balance, etwas brennender Abgang. Beindruckend aber nicht mein Stil.
94/100

Chateau Gazin
Dichte Nase, schöner Auftakt mit Cassis, Kirschen, und Kaffee, etwas muskulöser Körper, toastig, leider besitzt auch dieser Wein einen leicht brennenden Abgang der den sehr guten Eindruck etwas mildert.
92/100

Chateau la Pointe
Offene Nase, rauchig und süss, Karamell, Kirschen und Pflaumen, mittlerer Körper mit feinen Tanninen und guter Frische, schöner Abgang. Sehr erfreulich.
92/100

Chateau Chasse-Spleen
Tiefe Nase, sehr klassisch, Lakritze, schwarzfruchtig und mineralisch mit gutem toasting und mittlerem Körper, kann langer reifen. Ein super Chasse-Spleen!
93/100

Chateau Poujeaux
Sehr frische Nase, modern mit Cassis und Pflaumen, etwas viel Säure, saftiger und rauchiger Abgang.
91/100

Chateau Belgrave
Blumen und rote Früchte in der Nase, frisch, Zedern, mittelgewichtig, ein kleiner St-Julien.
91/100

Chateau la Lagune
Sehr Cabernet betonte Nase, tief, viel Druck mit Cassis, Lakritze und Bleistift. Sehr geschmeidig und harmonisch. Ein toller la Lagune, der ein langes Leben vor sich hat!
94/100

Chateau Ferriere
Sehr offene und saubere Nase, blumig, mineralisch mit Kirschen, vielleicht etwas zu schlank, sehr frisch mit gutem Abgang. Schöner Wein.
91/100

Chateau Lascombe
Dropsige und leicht alkoholische Nase, sehr cremig und likörig, Pflaumen und crème de Cassis, viel Tannin und etwas wenig Säure, langer rauchiger Abgang.
92/100

Chateau Monbrison
Verhaltene Nase, Brombeeren und Himbeeren, sehr harmonisch und ausgewogen mit feinem Tannin. Bleibt sich treu.
92/100

Chateau Rauzan-Ségla
Sehr dichte und fruchtige Nase, Floral, Menthol, Heidelbeeren, Cassis und Bleistift, sehr feines Tannin, unglaublich konzentriert mit saftigem Abgang. Ein Langläufer.
94/100

Chateau Beychevelle
Sehr florale Nase, würzig und minzig mit einer schönen Frische. Roftruchtig und seidig mit Zedern und einem mittlerem Körper. Ein toller Beychevelle!
93/100

Chateau Branaire-Ducru
Sehr rotbeerige und würzige Nase, sehr starke Säure, süss mit starkem Toasting und dunklen Früchten. Wirkt etwas unausgewogen.
91/100

Chateau Gloria
Sehr hedonistische Nase, floral mit Kirschen, Zedernholz und Kräutern. Hat Gripp mit gut eingebundener Säure und einem ganz leicht bitteren Abgang.
92+/100

Chateau Gruaud Larose
Sehr intensive Nase mit Kräutern und roten Beeren, sehr dicht, fleischig und kraftvoll mit Pflaumen und Cassis, unglaublich ausgewogen mit langem und dichten Abgang.
94/100

Chateau Langoa Barton
Dunkle Früchte, blumig, sehr seidig und mineralisch mit dunklem Tannin. Holz ist sehr gut eingebunden. Bestätigt den guten Eindruck on Primeur.
93/100

Chateau Leoville Barton
Tiefe Nase, Cassis, Veilchen und Minze, sehr dicht mit schönem Schmelz und einer toastigen Note. Endet unglaublich lang und konzentriert. Ein grosser Barton!
96/100

Chateau Leoville Poyferre
Sehr minzige Nase, modern, süss und cremig, sehr konzentriert mit weichem Tannin, Kirsche und Vanille, etwas bitterer Abgang.
93/100

Chateau Saint-Pierre
Nase nach Kaffeebohnen und dunklen Edelhölzer, Cassis, gute Frische mit leicht bitterem Tannin, wirkt dadurch etwas unharmonisch mit mittlerem Körper.
91/100

Chateau Talbot
Sehr reine Nase mit Blumenwiese, schöne Cabernetfrucht, wirkt harmonisch und ausgewogen mit vollmundiger Frucht und einem geradlinigen Abgang. Wird wohl bald antrinkbar sein. Ein super Talbot!
93/100

Chateau Batailley
Extrem dunkle Nase, Lack und dunkle Hölzer, Kaffee, erdig mit vielen Gerbstoffen, sehr dicht mit schwarzen Früchten. Langlebig.
90/100

Chateau Clerc Milon
Dichte Nase mit starker Frucht, etwas vordergründig, viel Kraft und Konzentration, Cassis und Kirschen mit einem frischen Abgang.
91/100

Chateau d’Armailhac
Sehr offene Nase, rauchig mit guter Balance, Zedernholz mit viel Brombeeren und Cassis, mittlerer Körper, frischer Abgang.
92/100

Chateau Lynch Bages
Wow, da bin ich zuerst einmal sprachlos! Offene und rotfruchtige Nase, süss, frisch und ausgewogen. Brombeeren mit Zedernholz und Graphit, Tabak, unglaublich dicht aber dennoch leicht mit Cassis und etwas Minze, der Wein bleibt noch minutenlang im Mund spürbar. Der Star des Abends!
98/100

Chateau Pichon Longueville Comtesse de Lalande
Frische mineralische Nase, tolle Frucht mit Cassis und Brombeeren, etwas Kaffee, würzig und laktisch mit etwas Minze, cremig und weich, äusseres harmonisch. Toller Wein.
95/100

Freitag, 11. Mai 2012

Bordeaux 2011

Gestern durfte ich in Zürich an der Primeurverkostung von Gazzar einen ersten Blick auf den Jahrgang 2011 werfen. Viele Weine sind gelungen und zeigen eine schöne Frische, teilweise hat man es aber mit dem Holz etwas übertrieben. Als beste Appelation hat sich Saint-Julien erwiesen die für mich sehr klassisch waren. Als durchzogen empfand ich die Roten von Pessac-Leognan.
 
Der Wein des Tages war ganz klar Figeac. Als positive Überraschung sehe ich Sociando-Mallet, der fast auf dem Niveau des ausgezeichneten 2010er ist und dank des Preises auch einer der wenigen Kandidaten für eine Sub.

Meine Bewertungen ohne Notizen:
Angelus: 92-94
Arrosee: 87-89
Berliquet: 88-90
Beychevelle: 88-90
Branaire-Ducru: 91-93
Canon: 92-94
Canon la Gaffeliere: 90-92
Carbonnieux rouge: 86-88
Carbonnieux blanc: 93-95
Domaine de Chevalier rouge: 88-90
Domaine de Chevalier blanc: 96-98
Clerc Milon: 88-90
Confession: 87-89
Conseillante: 90-92
Durfort-Vivens: 84-86
Ferriere: 87-89
Figeac:
Sehr elegant und ausgewogen mit einer schönen Frische und unglaublich feinen Tannin, rote Beeren, mineralisch mit mittleren Körper und einem langen Abgang.
93-95
Gazin: 88-90
Haut-Bailly: 92-94
Issan: 92-94 der beste Margaux an der Probe
Lagrange: 90-92
Langoa-Barton: 89-91
Leoville-Barton: 89-91
Leoville-Poyferre: 92-94
Malescot-St-Exupery: 91-93+
Montrose: 91-93
Pape-Clement: 88-90
Phelan-Segur: 89-91+
Poujeaux: 89-91
Rauzan-Segla: 91-93
Sociando-Mallet: 91-93

Alles in allen ein schöner Jahrgang der bald Freude bereiten wird.

Montag, 30. Januar 2012

Sunnday Lunch

Diesen Sonntag waren unsere lieben Freunde Loredana und Goce aus Luzern zu Besuch. Wie immer bei diesen Treffen entschlossen wir uns einige schöne Weine aus dem Keller zu holen. 

Als Vorspeise gab es Seeteufelfilet umwickelt mit Speck und Kräutern und dazu einen wunderbaren weissen Bordeaux:
  • Domaine de Chevalier Blanc 1994 

    Als Hauptgang briet ich uns in der Grillpfanne ein schönes und vor allem grosses Stück Entrecote (muss mind. 200 Gramm sein, besser wären 250 ;-) ), dass von Rosemarie-Kartoffeln, Cherrie-Tomaten und Oliven aus dem Backofen begleitet wurde. Dazu öffneten wird die folgenden Rotweine:
    • Chateau Montrose 1988 (Ausfall durch Kork)
    • Dominus 1990
    • Chateau Chasse-Spleen 1989
    • Chateau la Mission Haut Brion 1971 


      Domaine de Chevalier Blanc 1994
      Schöne mineralische und leicht nussige Nase. Im Gaumen herrlich balanciert, cremig, etwas salzig und mineralisch mit Fruchtnoten von Apfel, Limonen und Grapefruit sowie leichte Nussnoten (Hasselnuss?). Der Abgang ist lang, mineralisch und cremig. Ein toller Weisswein der noch ein langes Leben vor sich hat.
      92/100. Jetzt bis 2019+.

      Chateau Montrose 1988 
      Kork!

      Dominus 1990
      Zuerst sehr gemüsige Nase und im Gaumen rustikal. Da wir die Weine am Anfang blind tranken tippte ich auf den 88er Montrose. Nach ca. 2 Stunden öffnete sich der Wein immer mehr, wurde süsser und vor allem auch kalifornischer. Da waren Pilze, Tabak, Heidelbeeren und Brombeeren erkennbar. Leider wirkte der Wein auch leicht unharmonisch und mit der Zeit wurde der Dominus immer süsser und klebriger. Da der Wein eigentlich immer sehr gut bewertet wird gehe ich von einer nicht ganz ideal gelagerten Flasche aus.
      90/100. Jetzt trinken.

      Chateau Chasse-Spleen 1989
      Was soll ich zu diesem Wein noch gross schreiben. Seit 1995 hatte ich den Wein einige mal im Glas und er war immer toll! Offene, hedonistische Nase. Im Gaumen Cassis, Pflaumen, Leder, Kaffee und etwas Tabak. Das ist einfach ein wunderschöner Essensbegleiter, ein richtiger Bordeaux zum trinken der nicht nach einem Glas bereits satt macht! Der Abgang ist leicht röstig und von schöner Länge. Bravo, ein Cru Bourgeoise auf Cru-Classé Niveau!
      92/100. Jetzt bis 2017.

      Chateau la Mission Haut-Brion 1971
      Flasche mit schönen Füllstand (Top Shoulder) und vor allem guten Korken. Eigentlich hatte ich mir vor dem Wein nicht allzu viel versprochen und erwartete eine Bewertung im mittleren bis oberen 80er Bereich. Als ich das erste mal am Glas schnüffelte änderte sich meine Meinung aber schnell. Was für eine Nase. Tabak, Minze, hochreife Beeren und etwas Jod. Da könnte man stundenlang daran riechen. Im Gaumen auch viel Tabak, Malz, Zigarrenkiste, Minze,  rauchig mit roten Beeren und schöner Säure mit einem sehr langen Abgang. Der Wein hielt sich über 3 Stunden und war der Überflieger. Am Schluss baute er dann doch etwas ab und die Säure wurde prägnanter. Für einen über 40 jährigen Wein aus einem eher mittleren Jahrgang eine sensationelle Leistung. Ich freue mich bereits jetzt auf meine letzte Flasche mit noch besseren Füllstand (into Neck)
      94/100. Jetzt trinken.

      Sonntag, 16. Oktober 2011

      Chateau l'Evangile 1993

      Mein Keller ist seit über 5 Jahren frei von 93er Bordeaux. Da der Jahrgang nie durch Grösse glänzte versprach ich mir durch folgenden, durch relativ kleines Geld nachgekauften Wein, keinen grossen Genuss:


      Chateau L'Evangile 1993
      Süsses Bukett nach Himbeeren, Vanille und Karamell. Im Gaumen immer noch eine süsse Frucht nach Himbeeren und Pflaumen durchmischt mit Erde und Zedernholz. Der l'Evangile ist erstaunlich ausgewogen und lässt keine Unreife erkennen. Der Abgang ist cremig mit Laub und einer recht starken Gerbsäure. Trinkt man den  Wein um ca. 16 Grad ist diese aber nicht störend. Mit der Zeit wird das Bukett immer laktischer und der Abgang lässt Liebstöckel erkennen. Der Wein ist hoch reif und wohl auch etwas über dem Zenit. Trotzdem hat mir die Flasche sehr gut geschmeckt.
      88/100. Austrinken.

      Montag, 10. Oktober 2011

      Kleine Bordeaux 2002 Vertikale

      Als wir und diesen Sonntag mit unseren Freunden Adrian und Melanie bei uns zum Mittagessen trafen, hatten wir uns bei der Weinwahl auf den in Bordeaux als schlechten Jahrgang betitelten 2002er geeignet. Folgende Weine hatten wir ausgewählt:
      • Chateau Monbrison (Margaux)
      • Chateau Leoville Poyferre (St-Julien)
      • Chateau Pontet Canet (Pauillac)
      • Chateau Calon Segur (St-Estephe)
      Die Weine wurden kurz vor dem Essen geöffnet, der L. Poyferre und der Calon Segur bekamen dazu einen Platz im Dekanter zugewiesen.

      Monbrison
      Von der Farbe her wirkt der Wein schon recht gereift. Zuerst etwas Stall in der Nase, nach kurzer Belüftungszeit verschwand dies aber und es kam eine wunderschöne, für Margaux so typische duftige Nase zum Vorschein. Im Mund süss und rotbeerige mit Kirschbonbon. In der Mitte fehlt etwas der Druck, trotzdem wirkt der Wein sehr ausgewogen und trinkanimierend. So liebe ich Bordeaux. Der Abgang ist fruchtig und von mittlerer Länge. Leider baut der Wein nach ca. 2 Stunden etwas ab. Vor allem die wunderschöne Nase verschwindet. Ich finde, der Wein befindet sich auf dem Höhepunkt und sollte jetzt genossen werden.
      89-/100. Jetzt bis 2014

      Pontet Canet
      Sehr intensive Nase nach roten und schwarzen Beeren. In Mund fällt zuerst eine intensive Gerbsäure und etwas grüne Noten auf, unterlegt mit einer kühlen Note nach Cassis. Der Wein wirkt im Moment recht streng und verlangt nach einem Stück Fleisch vom Grill als Partner. Der Abgang ist etwas staubig und tanninbetont. Ich bin mir bei diesem Wein etwas unsicher was die Zukunft bringt. Eigentlich bräuchte der Wein noch einige Jahre, doch reicht die Frucht?
      89/100. 2012 bis 2020+?

      Leoville Poyferre
      Die Nase ist sehr opulent und rotfruchtig mit viel roten und schwarzen Johannisbeeren. Im Mund gibt es eine frische Säure mit spürbaren Tannin. Der Wein ist rauchig, fruchtig nach Waldbeeren, mit etwas Zedernholz. Die Säure ist vielleicht eine Tick zu hoch doch der Wein macht trotzdem viel Spass. Der Abgang ist ziemlich lang mit spürbaren Holz. Ein sehr schöner und klassischer St-Julien.
      92/100. Jetzt bis 2022.

      Calon Segur
      Zuerst etwas rustikale Nase die aber immer offener und vor allem laktischer wird. Im Mund sehr tanninbetont mit Kräuter, Pflaumen und Kirschen. Der Wein ist dicht mit einer kühlen Aromatik und besitzt einen sehr schönen Gesamteindruck. Im Moment sicher noch zu jung und für mich der einzige Wein dieser Runde der Potential für eine höhere Bewertung besitzt.
      91+/100. 2013 bis 2027.

      Fazit
      Klar, der 2002er ist kein Jahrgang der begeistert. Trotzdem sind da schöne Weine entstanden die vor allem als Speisebegleiter ihre Qualität ausspielen können und mit wenigen Ausnahmen auch preislich am Boden blieben. Unreife konnte ich in dieser Runde nur beim Pontet Canet feststellen. Gemeinsam haben aber alle Weine die etwas kühle Aromatik und mit Ausnahme des Monbrison eine leichte Strenge.

      Montag, 3. Oktober 2011

      Eine schöne Überraschung

      Ich genoss dieses Wochenende einen Wein aus dem Tessin, der mich überaus positiv überraschte!

      Cantina Monti - Rovere 2004 (100% Merlot)
      Nachdem sich die erste Flasche vor einigen Monaten noch etwas zurückhaltender präsentiert hatte überraschte mich meine zweite, und leider letzte Flasche, überaus positiv. Ungemein dichte Nase nach roten Früchten wie Pflaumen und Kirschen. Im Mund ist der Wein saftig und fleischig mit einem ganzen Korb voller Beeren und etwas Waldboden. Der Abgang ist lang mit leichten Röstnoten und spürbaren Tannin. Der Wein besitzt Power und hat in einem Rindsentrectôte vom Grill einen idealen Partner gefunden. 92/100 Punkte. Jetzt bis 2016

      Fazit
      Der Wein besitzt recht viel Tannin, Power und Biss und braucht ein gutes Stück Rindfleisch vom Grill als Partner. Ich genoss meine erste Flasche solo, was eine Erklärung für meine leichte Enttäuschung vor einigen Monaten sein könnte.

      Montag, 8. August 2011

      Gantenbein vs. Bonneau du Martray

      Wir waren am letzten Samstag bei unseren Freunden Loredana und Goce in Luzern eingeladen. Normalerweise sind wir ja vor allem Liebhaber von Bordeaux, wollten uns an diesem Abend aber einmal einen anderem Thema widmen. Dem Pinot Noir. 

      Zur Auswahl standen an diesem Abend:
      • Domaine Bonneau du Martray - Corton Grand Cru 1998
      • Domaine Bonneau du Martray - Corton Grand Cru 1999
      • Martha und Daniel Gantenbein - Fläscher Blauburgunder 2001
       Die Weine wurde ca. 1 Stunde vorher geöffnete. Nach dem Probieren entschieden wir uns beim 1999er Corton für ein Bad im Dekanter, da er doch recht verschlossen erschien.



      Gantenbein - Blauburgunder 2001
      Das war ein unglaublicher sexy Wein und mit Sicherheit der beste Schweizer Pinot den ich bis jetzt im Glas hatte. In der Nase zuerst sehr zurückhaltend, drehte aber immer mehr auf. Im Mund burgundisch mit Kirschen und Himbeeren, schönem Schmelz und sehr langem samtigen Abgang. Kein Powerwein aber doch sehr komplex. Das Holz ist spürbar, harmoniert aber schön mit der Frucht. Bravo.
      95/100. Jetzt bis 2013.

      Bonneau du Martray - Corton 1998
      Dunkle Farbe, eher zurückhaltende und etwas grüne Nase. Im Mund recht dicht und etwas kräutrige. Ist ein schöner Essensbegleiter.
      88/100. Jetzt bis 2015.

      Bonneau du Martray - Corton 1999
      Unglaublich dunkle Farbe. Sieht gar nicht nach Pinot aus. Die Nase ist sehr tief und süss mit viel Cassis und eingekochten Früchten. Im Mund fällt die massive Säure auf die jeden Genuss verhindert. Wäre interessant diesen Wein in 5 Jahren nochmals zu probieren. Wenn der seine Balance findet ...
      90++?/100. 2015 - 2024+

      Fazit
      Der 2001er Gantenbein war ein toller Wein und ich bin froh, dass ich noch einige Flaschen davon im Keller habe (leider keine 2001er mehr). Die Cortons waren eine interessante Erfahrung, doch das PLV empfinde ich als eher schlecht (vor allem beim 98er).

      Bedanken möchte ich mich bei Loredana und Goce für das tolle Essen, dass sehr gut mit den Weinen harmonierte.

      Montag, 30. Mai 2011

      Tessin 2000

      Diesen Sonntag trafen wir uns bei unseren Freunden Melanie, Adrian und Simon zu einer geselligen Weinrunde. Als Thema wählten wir einige Tessiner Merlots aus dem Jahrgang 2000.

      Folgende Tropfen wurden ca. 1 Stunde vor dem Essen geöffnet und nicht dekantiert:
      • Gialdi SA - Sassi Grossi 2000
      • Christian Zündel - Orizzonte 2000
      • Cantina Kopp von der Crone - Balino 2000
      • Daniel Huber - Montagna Magica 2000


      Gialdi SA - Sassi Grossi 2000
      Nachdem der erste Versuch korkte zeigte sich die zweite Flasche sehr gereift mit verkochten und portigen Noten. War ca. eine halbe Stunde trinkbar und fiel danach in sich zusammen und oxidierte.
      Keine Bewertung. Over the hill.

      Christian Zündel - Orizzonte 2000
      Am Anfang etwas Stallnoten die aber mit mehr Luft verflogen. Im Mund sehr Bordeauxlastig mit einer frechen Würze, Leder, Tabak, präsenten Tannin, blauen Beeren und Pfeffer. Ein Wein mit Ecken und Kanten. Habe ihn am Anfang etwas unterschätzt aber je länger der Orizzonte offen war umso mehr Spass machte er.
      91/100. Jetzt bis 2015 trinken.

      Cantina Kopp von der Crone - Balino 2000
      Unglaublich offenes und rauchiges Bouquet. Der Wein besitzt Muskeln mit viel Holz, dass aber gut eingebaut ist, süsse Frucht wie Kirschen, Cassis und etwas Vanille. Der Balino ist ein ganz andere Typ Wein als der Montagna Magica oder der Orizzonte. Mehr auf neue Welt getrimmt doch ich finde er macht viel Spass. Der Abgang ist lang mit Röstnoten und süsser Frucht.
      92/100. Jetzt bis 2012 trinken

      Daniel Huber - Montagna Magica 2000
      Mittleres Rubinrot. Besitzt ein blumige Nase. Im Mund sofort als Merlot erkennbar. Rotfruchtig, Schokolade, würzig, vollmundig, dicht mit wunderbar eingebauten Holz und schönen gereifte Tannin und stützender Säure. Tessin auf der Spitze. Kein vollgepackter Muskelprotz sondern wunderbar elegant mit einem langen und warmen Abgang. Was für ein Wein!
      94/100. Jetzt bis 2016+ trinken.

      Fazit
      Alles in allem haben die Weine mit Ausnahme des Sassi Grossi unglaublich Spass gemacht und harmonierten wunderbar mit einem Tessiner Rosmarinrisotto und gegrilltem cote de boeuf (am Knochen abgehangenes Rindfleisch). Melanie, Adrian und Simon waren die perfekten Gastgeber. Das nächste mal wieder bei uns! 

      Orizzonte 2006

      Als Einstimmung für die Verkostung von einigen 2000er Weine aus dem Tessin vom Sonntag zog ich an diesem Samstag eine Flasche Orizzonte 2006 von Christian Zündel auf.

      Christian Zündel - Orizzonte 2006
      Gleich nach dem öffnen präsentierte sich ein etwas karger Wein mit einem verschlossenen Bouquet. Ich holte darum einen Dekanter und gönnte dem Wein zwei Stunden um sich zu entfalten. Und wieder zeigte sich, dass die Merlot aus dem Tessin viel Luft brauchen! Kräftiges Rot mit einer schöner rotfruchtigen Nase und leichten Röstaromen. Im Mund kein Blender sondern sehr ausgewogen mit einer präsenten aber angenehmen Säure. Der Wein wirkt sehr elegant mit reifer Frucht und etwas Röstaromen. In der Mitte fehlt ein wenig Druck doch der Wein macht mir sehr viel Spass! Ein sehr schöner Essensbgleiter mit einem moderaten Allkoholgehalt von 12.5 %. Viele Tessiner Merlots bringen da mittlerweile auch schon 13.5 bis 14.5% auf die Flasche.
      90/100 Punkte. Jetzt bis 2014 trinken.

      Montag, 9. Mai 2011

      Aagne vom Schopf

      Nach den positiven Notizen zu dem Weinen der Familie Gysel im aktuellen Vinum, die unter dem Namen Aagne vom Schopf produzieren, wollte ich mir über die gebotene Qualität selber ein Bild machen. Aufmerksam auf das Weingut wurde ich bereits im September des Vorjahres durch die guten Bewertungen des Bloggers vvwine, der eine grosse Anzahl von Gewächsen im Rahmen der Schaffuser Wiiprobe probieren konnte. Da kam der Geburtstag meiner Tochter gerade recht um eine grössere Anzahl Flaschen direkt beim Weingut zu ordern und den erwachsenen Gästen zu servieren (Riesling-Sylvaner und Pinot Spätlese). Diese waren von den Weinen sehr angetan und die Familie Gysel wird an diesem Tag wohl den einten oder anderen Neukunden gewonnen haben. Den Pinot Barrique genossen meine Frau und ich am nächsten Abend in Ruhe auf unserem Balkon und liessen dabei das Wochenende ausklingen.


      Riesling-Sylvaner 2009
      Ein herrliches Getränk für einen Sommertag. Dieses Wochenden genossen und der Wein macht einfach Spass! Ein frischer und schlanker Wein mit einer Muskatnote in der Nase. Im Mund etwas Hefe und exotische Früchte mit einer angenehmen Säure. Mit 12 Prozent Alkohol genau das richtige für einen heissen Tag.
      87/100. Jetzt trinken.

      Pinot Noir Spätlese 2009
      Typische Pinot Nase. Im Mund ist viel Druck vorhanden mit Johannisbeeren, Kirschen und etwas Erdbeeren. Im Abgang angenehmen Rösttöne und leicht zupackenden Tannin. Eher kühl bei ca. 16 Grad zu geniessen. Ein Essensbegleiter der richtig Spass macht.
      90/100. Jetzt bis 2015.

      Pinot Noir Barrique 2008
      Intensive Pinotnase. Da kommt ein ganzer Korb voller Früchte. Im Mund recht präsente Rösttöne, Vanille, etwas Blut und süsse Frucht wie Kirschen und Johannisbeeren. Im Abgang etwas Kaffe und leicht säurebetont. Das Holz ist für mich einen Tick zu intensiv, ist aber meckern auf hohem Niveau.
      91/100. Jetzt bis 2015.

      Fazit
      Die drei probierten Weine der Familie Gysel sind alle sehr fair bepreist. Der Riesling-Sylvaner kostet, Sfr. 14.00, die Spätlese Sfr. 18.00 und der Barrique Sfr. 24.00.
      Die Spätlese kommt fast an den "Spitzenwein" Barrique heran, was wohl an dem stärkeren Jahrgang 2009 liegt.